Bevor der Karren noch tiefer in den Dreck fährt

Warum das Reformvorhaben »Kirche der Freiheit« zum Scheitern verurteilt ist …

Von Anne Lungová

„Ob die EKD von den Angeboten der Unternehmensberatung McKinsey & Company profitiert, ist mehr als fraglich. Wer die Mechanismen erkennt, ahnt, dass der Handlungsspielraum für die Kirchen immer enger wird. Dass im Dezember 2012 mit Peter Barrenstein ein langjähriger McKinsey-Berater (von 1980-2007) in den Rat der EKD berufen wurde, dem man die inhaltliche Begleitung der Führungsakademie für Kirche und Diakonie übertrug, ist ein weiteres Indiz dafür, dass die EKD einer externen Organisation mehr vertraut, als ihren eigenen Leuten. Immerhin steht die Kirche mit ihrer Naivität nicht alleine da: Autobranche, Banken und Politik haben denselben Fehler begangen, im Glauben an einen Retter, der alle Missstände lösen kann. Warnende Stimmen hat es auch in der Kirche gegeben. Der deutsche Publizist, Christian Nürnberger, hatte in seinem Vortrag am 34. Rheinischen Pfarrertag am 3.11.2003 in Bonn eindringlich auf die Gefahren hingewiesen: Im Jahr 1999 veröffentlichte ich mein Buch »Die Machtwirtschaft«, eine Streitschrift gegen den Wirtschafts-Totalitarismus. Wer Kirche als eine Nonprofit-Organisation unter anderen begreift und sie auf den Marktplatz schubst, verlässt den Boden des Evangeliums, degradiert dieses zur Ware, und macht sich gemein mit jenen obskuren Weltanschauungshändlern, die sich auf diesem Markt herumtreiben. Kirchenleitungen, welche die Existenz der Kirche dadurch sichern wollen, dass sie ihre Kirche als Nützlichkeits-Organisation etablieren, als Service- und Sinnvermittlungsagentur, als Unternehmen, dessen Wert in ihrer Funktionalität für einzelne, Gemeinschaften und Staaten liegt, ziehen den Karren nicht aus dem Dreck, sondern fahren ihn noch tiefer hinein. Bischöfe, die den Leuten weismachen wollen, eine Mitgliedschaft in der Kirche rechne sich, zahle sich aus, müssen vergessen haben, dass der Lohn des Christen das Kreuz ist, dass es nicht um Logos geht, sondern um den Logos.

Um den »Karren aus dem Dreck zu ziehen«, braucht es für die evangelische Kirche mehr als nur die Einsicht, dass man sich statt an der Macht der Welt am Kreuz Christi hätte orientieren sollen, um der Krise, dem demographischen Wandel oder dem Mitgliederschwund entgegenzuwirken. Vor allem lohnt es sich, eigene Fragen zu stellen, um zu neuen Antworten zu gelangen, damit die Kirche am Ende nicht ebenso dasteht wie die Deutsche Bank, der Fußball oder Volkswagen.“

Lesen Sie hier den ganzen Artikel aus dem Deutschen Pfarrerblatt, Nr. 11/2015: http://www.pfarrerverband.de/pfarrerblatt/index.php?a=show&id=3935

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