ELKBZentralisierung

Entleibung durch Entlastung

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Die Zentralisierung und „Professionalisierung“ von kirchlichen Arbeitsbereichen wird immer wieder mit dem Argument propagiert, dadurch würden die Gemeinden entlastet. Hans-Ulrich Pschierer weist in seinem Artikel auf die Gefahr hin, dass Gemeinden  „entleibt“ werden, wenn sie Aufgaben abgeben, die zu ihrem Grundbestand gehören.

„Aufgabe von Kirchenleitung ist es nach Ansicht von »Aufbruch Gemeinde« nicht, den Gemeinden schrittweise mehr Geld und Arbeit abzunehmen, sondern auf die Einheit der Kirche vor Ort und auf die Lehre zu achten, d.h. Gemeinden mit allen Mitteln darin zu unterstützen, in den Strukturen des allgemeinen Priestertums ihrem Auftrag vor Ort nachzukommen. Die Hilfe durch Verwaltungsstellen kann gestärkt, Sekretärinnenstunden erhöht, Sprengel verkleinert werden u.a.m. Wenn solche Maßnahmen mit Verweis auf Sparzwänge zurückgewiesen werden, muss man auch fragen dürfen, warum gleichzeitig mehrere Millionen da sind, um Nürnberger Gemeinden nun von ihren Jugendlichen zu entlasten. …

Weder Ekin noch die Jugendkirche sollen inhaltlich schlecht geredet werden, sondern eine Diskussion um Kirchen- und Gemeindeentwicklung angeregt werden, deren Tabuisierung wir uns nicht leisten können. Die Ökonomin Anna Henkel sieht die Kirche am Scheideweg: »Wenn man Kirche und Gemeinde als Erfolgsduo ansieht, dann müsste Kirche auf die Stärkung von Gemeinde mit allen Mitteln fokussiert hinarbeiten. Veranstaltungen, die keine Förderung von Gemeinde leisten können, müssten also im Zweifel unterbleiben. Stattdessen müssten die vorhandenen Mittel in jeder Hinsicht auf die Darstellung und die Aktivitäten von Gemeinde ausgerichtet werden. Kirchenreform wäre eine Umausrichtung auf Gemeinde.«

Als Ökonomin erwägt sie auch das Gegenmodell einer zentral gesteuerten Dienstleistungskirche: »Die Symbiose von Kirche und Gemeinde müsste in diesem Fall systematisch ersetzt werden durch eine Reformulierung christlicher Dienste als kirchlicher Dienstleistungen.«  Aus ökonomischen Gründen warnt Henkel aber vor einem zweigleisigen Kurs der Kirche: »Dennoch muss Kirchenreform eine Entscheidung für die eine oder die andere Richtung treffen. Sie verzettelt sich sonst, vergeudet ihre Ressourcen und verliert die Chancen beider Modelle.«

Die Initiative »Aufbruch Gemeinde« sieht die Chance der Kirche in den konkreten Bezügen vor Ort. Viele Ortsgemeinden machen erfolgreich vor, was ein gelungenes Ineinander von Verkündigung und diakonischer bzw. pädagogischer Verantwortung bedeutet. Es wäre vor allem theologisch, aber auch ökonomisch fatal, wenn die Kirche über der Entlastung der Gemeinden letztlich ihre eigene Entleibung betreiben würde.“

Hans-Ulrich Pschierer

Pfarrer in der Kirchengemeinde St. Michael – Fürth und Mitglied im Sprecherkreis des Forums Aufbruch Gemeinde. Lesen Sie den ganzen Artikel unter:
https://www.aufbruch-gemeinde.de/download/korrblattjan10.pdf

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