Vorschläge zur Landesstellenplanung – Newsletter September 2018

Der neue Landesstellenplan wirft seine gewaltigen Schatten voraus und sorgt für gehörige Unruhe in unserer Landeskirche. Der fehlende Nachwuchs an Pfarrerinnen und Pfarrern, die vielen drohenden Vakanzen verschärfen dieses Thema. Kirchenleitungen müssen in die Zukunft sehen und die nötigen Schritte für eine flächendeckende Versorgung der Gemeinden, nicht nur mit Pfarrerinnen und Pfarrern, sondern selbstverständlich auch mit anderen kirchlichen Berufsgruppen bedenken. Das ist ihre Aufgabe und sie machen das sorgsam, sofern sie aufmerksam darauf achten, was an der Basis gärt.

Wir haben einen Vorschlag für den Landesstellenplan, der ganz andere Akzente setzt als eine vielleicht zehnprozentige Kürzung darstellt. Wir denken konsequent von der Basis, von den Gemeinden her und wollen doch das Ganze nicht aus dem Blick verlieren.

Ich denke mit Schaudern daran, wieviele Kräfte bei der Umsetzung eines neuen Landesstellenplanes gebunden werden – und erst recht durch die Verquickung mit dem PUK- Prozess -, wieviele Sitzungen in den verschiedenen Gremien abgehalten werden müssen, wieviele Verletzungen es geben wird, wieviel kostbare Zeit und wieviel finanzielle Mittel dafür aufgebracht werden müssen. Viele Stellen könnten so sinnvoller eingesetzt werden. Bei der Umsetzung der letzten Landesstellenplanung, mussten wir in unserem Dekanat eine halbe Pfarrstelle kürzen und benötigten dafür – mit Hilfe der Gemeindeakademie Rummelsberg – 17 Zusammenkünfte. Und noch heute, nach einer so langen Zeit, sind Menschen, Gemeindeglieder voller Frust und Verletzungen.

Deshalb ist unser Vorschlag:

  • Es werden keine Stellen gekürzt. Alle Stellen bleiben erhalten mit Ausnahme großer Zuwachsgebiete – die müssen mehr Stellen bekommen – aber da kann ohne große Landesstellenplanung reagiert werden.
  • Die zu erwartenden Vakanzen werden in einem Dekanat durch ein rotierendes Verfahren geschultert. Das bedeutet: Keine Stelle wird gekürzt. Der Dekanatsausschuss beschließt, welche Pfarrstellen vakant bleiben und nicht ausgeschrieben werden. Es wird nicht immer die gleiche Stelle treffen, so dass die Hoffnung bestehen bleibt, auch in meiner Gemeinde wird wieder einmal ein Pfarrer, eine Pfarrerin ihren Dienst tun können.
  • Damit es gerecht zugeht, wird eine Vakanzquote für alle Dekanate eingeführt (8,5% oder mehr) – wie es sie schon einmal in unserer Landeskirche gegeben hat. Dadurch wird gewährleistet, dass in jedem Dekanat eine vergleichbare Situation besteht.
  • Das Gehalt der Pfarrerinnen und Pfarrer erhält bei einer Vakanz die Gemeinde (vielleicht auch ohne den Anteil, der durch den Religionsunterricht erworben wird). Gemeinden sind sehr kreativ und können mit diesen finanziellen Mitteln ihre Gemeindearbeit besser aufrechterhalten, z.B. die Sekretärinnenstunden aufstocken, eine Jugendmitarbeiterin befristet einstellen, Kooperationen anbahnen usw.
  • Die Pfarrerin, der Pfarrer, die eine Vakanz zu vertreten haben, werden vom Religionsunterricht befreit. Freilich ist zu prüfen, ob der Religionsunterricht dann aufrechterhalten werden kann.

Wir wollen uns nicht bannen lassen von dem Diktat der ausgerechneten Möglichkeiten. Wer sich nur an Zahlen festhält und seine Entscheidungen davon abhängig macht, spricht die Gegenwart heilig, verrät aber die Zukunft.

Noch eine Stimme zu dem Reformprozess Profil und Konzentration:

Als Fazit der 5. Kirchenmitgliedschaftsstudie hält die Theologieprofessorin Isolde Karle fest: „Eine Kirchenreform im umfassenden Sinn ist nicht indiziert. Vieles läuft gut in der evangelischen Kirche, sie kann an Bewährtes anschließen. Behutsame Korrekturen sind hier und da erforderlich, aber dabei geht es um eine sensible Feinsteuerung, nicht um grundsätzliche Innovationen und Strukturveränderungen“ (lsolde Karle, Die fünfte EKD- Erhebung über Kirchenmitgliedschaft, Gütersloh, 2015, S. 127).

Dr. Gerhard Schoenauer, Dekan
1. Vorsitzender
V.i.S.d.P.: Gemeindebund Bayern
Im Sprecherkreis „Gemeindebund Bayern – Aufbruch Gemeinde“

Einladung zum Aktionstag 2018
Der Gemeindebund Bayern lädt ein zu seinem jährlichen Aktionstag

am 24.11.2018 von 10.00 Uhr bis 14.00 Uhr.
Ort: Ev. GMZ, Nürnberg Nord, Rollnerstr. 104, 90408 Nürnberg
Gäste:
– Kirchenrat Pietro Peral, Referent für kirchliche Planungsfragen
– Pfarrerin Corinna Hector, 1. Vorsitzende Pfarrerverein

Schreibe einen Kommentar