"Die Verfasser des Impulspapiers 'Kirche der Freiheit' scheinen nicht bedacht zu haben, dass die derzeitige 'Wiederkehr der Religion' (S.14) nicht zuletzt und vielleicht sogar hauptsächlich daher kommt, dass viele Leute nach jahrelanger Dauerbeschallung den jungdynamischen Wirtschaftsfundamentalisten - Jargon einfach nicht mehr ertragen können." (Ludwig Trepl im Forum der EKD)

 

Ökonomisierung

   
 


Themen:     Reformprozesse/ Gemeindeaufbau     Pfarrberuf/ Pfarrerbild     Ökonomisierung
Allgemeines Priestertum     Subsidiarität     Das liebe Geld

Unter dem Stichwort "Ökonomisierung" wird in den letzten Jahren diskutiert, ob sich die Kirche in ihrer Arbeit wirtschaftlicher Methoden bedienen darf und soll. Während die einen diese Methoden für eine rein formale Angelegenheit halten, geben andere zu bedenken, dass sich die Kirche hiermit auch Inhalte zulegt, die ihrer Botschaft wiedersprechen: "Viele der entsprechenden Studien nähern sich geradezu mimetisch an die kundenorientierte Sprache von Service-Unternehmen an, ohne zu reflektieren, dass die Zielorientierung des Religionssystems eine spezifische ist und der Religion die Applikation der ökonomischen Sprache  und Logik nicht äußerlich bleibt, sondern sie immer mehr in den Bann des Ökonomiesystems und seiner Rationalität zieht." ... "Die Theologie hat für eine sich in diesem Sinn reformierende Kirche vor allem noch legitimierende (nicht steuernde) Funktion, um nicht-theologische und nicht-religiöse Ziele (finanzielle Sanierung) mit nicht-theologischen Instrumenten (Marketing) zu erreichen." (Isolde Karle, "Kirche im Reformstress" Gütersloher Verlagshaus, 2010, S. 108f., 113)

Lesen Sie mehr:  

Rückblick

Literatur

"Es gibt Veränderungen, die sind unvermeidbar. Man muss sie akzeptieren, ja erdulden, auch wenn sie lästig und anstrengend sind. Technische und gesellschaftliche Umwälzungen erfordern neue Antworten. Man muss sich umstellen, wenn ganze Berufszweige wegrationalisiert werden, man muss neu gestalten, wenn neue Grenzen, neue Märkte entstehen. Aber muss man solche Sachzwänge auch begrüßen?

Ich gestehe, dass ich all die Strukturreformen und -reförmchen allmählich lästig finde. Landauf, landab wird verändert, umorganisiert, neu strukturiert und, wie man dann auch meint, „reformiert”. Dabei beruft man sich gerne auf Martin Luther, von dem angeblich der Ausspruch stammt: „Ecclesia semper reformanda est” – die Kirche muss ständig reformiert werden. Tatsächlich stammt das Wort aber aus der reformierten hugenottischen Tradition, ein Jahrhundert nach der Reformation: „Ecclesia reformata semper reformanda.” Luther war kein Bilderstürmer und kein Revolutionär. Und wenn er von Reformation sprach, dann nicht von Strukturveränderungen, sondern von entschiedener Kehrtwendung zu Jesus Christus, und zwar dem Gekreuzigten, also von innerer Erneuerung aus dem Glauben. So begann die Reformation mit der ersten der 95 Thesen, nach der das ganze Leben des Christen eine Buße sein sollte, eine entschlossene Kehre zum Herrn der Kirche, nicht aber zu den Idealen der Organisationsberater und Sparkommissare.

Niemand schmücke sich mit fremden Federn! Ich träume manchmal davon, wir würden all den Einsatz an Sitzungen, Gremien, Dienstfahrten und Papieren, den wir im vergangenen Jahr für Reformkommissionen aufgebracht haben, in missionarisches Handeln investieren. All die Ehrenamtlichen, die in aufopferungsvoller Weise ihre freie Zeit zur Verfügung gestellt haben, alle die Hauptamtlichen, die viele ihrer sonstigen Aufgaben vernachlässigt haben, weil sie sich am Umbau der Kirche beteiligten – war das immer nötig? Haben wir nicht auch im Stillen, im Eifer des Einsatzes unbemerkt, die Reformen mit Reformation verwechselt? Ja, verpassen, verdrängen, überspielen wir gar die eigentlich notwendige Reformation durch die angestrengte Bemühung um Reform?" (Bischof der Nordelbischen Landeskirche i.R. Hans Christian Knuth, Zeitzeichen, Nr.10/ 2004, S.25)

 

 
Home     Aktuell     Gemeindebund     Was wir wollen     Blog     Themen
Sprecherkreis/Beirat     Unterstützen Sie uns     Links     Impressum
Aktionstage     2008     2009     2011     2013     2014     2015
Datenschutz