"Die kirchliche Großorganisation will sich nicht mehr als subsidiäre Kraft verstehen, die den als örtliche Versammlungen existierenden Kirche helfend, koordinierend und regulierend zur Seite steht, sie nach außen hin vertritt und im Kontext der Ökumene für sie spricht. Sie tritt in dem Bewusstsein auf, die real existierende Kirche schlechthin zu sein. Sie gibt ihrem 'Personal' - also den Pfarrern und Pfarrerinnen - Anweisungen für den Vollzug ihrer Arbeit und sie 'entwickelt' dieses ihr 'Personal' so, dass es ihren Erwartungen lückenlos zu entsprechen vermag. (Jürgen Roloff)

2. Aktionstag von "Aufbruch Gemeinde" am 7. November 2009 in der
Gustav-Adolf-Gedächtnis-Kirche Nürnberg/ Lichtenthof


Die Podiumsdiskussion      Nochmal: Das liebe Geld     Hintergründe und Links     Programm
Standpunkte
 

"Kirche wohin?" - Hauptreferat von Christian Nürnberger

 ... Nun höre ich, dass es hier in diesem Kreis nun aber wirklich um Aufbruch geht und um Bestrebungen, sich vom übermächtigen Landeskirchenamt abzukoppeln, weil man es satt hat, sich von München aus disziplinieren und gängeln zu lassen, und weil der dortige Wasserkopf seine Existenzberechtigung mit Bergen von Papier nachzuweisen sucht, unter dem der einzelne Pfarrer begraben und dadurch gehindert wird, seiner eigentlichen Arbeit nachzugehen. Man will also weg von der Bischofskirche, hin zur Gemeindekirche.

Wenn das so ist, dann haben diese Bestrebungen im Grundsätzlichen meine Sympathie, wenngleich ich nicht weiß, wie das dann in der Praxis aussehen könnte. Prinzipiell gefällt mir daran, dass nach einer Periode, in der die da unten immerzu von denen da oben unter Rechtfertigungszwang gestellt wurden, jetzt einmal der Spieß umgedreht und die Existenzberechtigung von denen da oben hinterfragt wird.  

Davon abgesehen halte ich das Bestreben, Macht und Geld von oben nach unten zu verlagern, generell für die richtige Forderung der Stunde, und zwar sowohl für das politische wie für das kirchliche Gemeinwesen, denn alle Spatzen pfeifen doch längst von den Dächern, dass die herkömmliche Art, in der bei uns regiert wird, am Ende ist.  

Politiker haben gar nicht mehr die Macht, Zukunft zu gestalten, und das bekommen wir fast täglich vorgeführt. Merkel und Steinmeier fahren vor der Wahl nach Rüsselsheim, um Opel zu retten, und nach der Wahl erfahren wir, dass sie das gar nicht können. Herr Seehofer fährt nach Fürth, um Quelle zu retten, und wenige Wochen später ist dort Ausverkauf. Das kannten wir alles schon von der Holzmann-Rettung durch Schröder. Regierende, die gar nicht mehr regieren und nur noch so tun als ob, brauchen wir nicht. Die kosten nur Geld und verzögern Entscheidungen.

Verlagert also das Geld und die Entscheidungskompetenz nach unten, dorthin, wo das Geld erwirtschaftet wird, und dorthin, wo wir täglich unter den ungelösten Problemen zu leiden haben, also in die Gemeinden. Natürlich brauchen wir auch weiterhin übergeordnete Instanzen und auch die EU, aber diese Instanzen, und nicht die Gemeinden, sind zu verschlanken und auszudünnen. Keine Kirche braucht Werbung, PR, Plakate, Profilneurotiker und Eventmanager. Keine Regierung und kein Land braucht einen Wirtschaftsminister, dem seit 30 Jahren nichts anderes einfällt als der Satz: Der Markt, der Markt, der hat immer recht.

Und statt einer Professionalisierung in der Kirche brauchen wir das Gegenteil, nämlich eine neue Laisierung, und nicht nur in der Kirche, sondern auch in der Politik. Demokratie ist keine Kleriker-, Profi- und Expertenherrschaft, sondern Volksherrschaft, und Kirche ist das Priestertum aller Gläubigen. Daher brauchen wir weniger Berufspolitiker und weniger Berufskleriker, und dafür mehr Laien, vor allem solche, die auf ein gelebtes Leben außerhalb der Politik und Kirche zurückblicken.  

Da draußen im Volk, unter den sogenannten Laien, schlummert ein ungehobener Schatz für unser Land. Grabt ihn aus, es gibt ihn in jeder Gemeinde. Wer diesen Schatz hebt, wird imstande sein, vor Ort die meisten der Probleme zu lösen, die Politiker nicht in den Griff kriegen.

Lesen Sie den ganzen Vortrag.

 

"Statt einer Professionalisierung in der Kirche brauchen wir das Gegenteil, nämlich eine neue Laisierung, und nicht nur in der Kirche, sondern auch in der Politik. Demokratie ist keine Kleriker-, Profi- und Expertenherrschaft, sondern Volksherrschaft, und Kirche ist das Priestertum aller Gläubigen. Daher brauchen wir weniger Berufspolitiker und weniger Berufskleriker, und dafür mehr Laien, vor allem solche, die auf ein gelebtes Leben außerhalb der Politik und Kirche zurückblicken."

Christian Nürnberger

studierte einige Semester ev. Theologie, Philosophie und Pädagogik, absolvierte die Hamburger Henri-Nannen-Schule und begann seine journalistische Praxis als Lokalreporter bei der Frankfurter Rundschau. Später war er Redakteur beim Wirtschaftsmagazin Capital und Textchef bei highTech. Seit 1990 ist er als freier Autor (unter anderem für die Süddeutsche Zeitung und Die Zeit) und als Publizist tätig.

Lesen Sie außerdem von Christian Nürnberger:

Warum McKinsey für die Kirche keine Lösung ist/ Von Christian Nürnberger (Vortrag beim 34. Rhein. Pfarrerinnen- und Pfarrertag am 3. November 2003 in Bonn)

Es kann der Frömmste nicht in Frieden beten ... wenn ihm die Kirche nicht Controller schickt: Eine neue Richtlinie will aus dem protestantischen Pfarrhaus ein weisungsabhängiges Dienstleistungszentrum machen/ Von Christian Nürnberger (SZ vom 2. Feb. 2002)

Bücher von Christian Nürnberger

Von wegen Marginalisierung der Ortskirchengemeinden!

Statement beim 2. Aktionstag des Forums „Aufbruch Gemeinde“ am
7. November 2009 in Nürnberg

Als Gemeindereferent der Landeskirche sehe ich eine meiner wichtigsten Aufgaben darin, zuzuhören und wahrzunehmen, wo den Gemeinden der Schuh drückt, und – unterstützt durch die Mitarbeitenden „meiner“ Abteilung und der Landeskirchenstelle – mit den jeweils betroffenen Gemeinden als aktiv Beteiligten Wege zur Überwindung der örtlich gegebenen Probleme auszuloten und zu gestalten. Viel zu häufig stoßen wir im Hinblick auf die verfügbaren Kapazitäten und Mittel an Grenzen. Mitunter geht manches nicht sofort und manchmal sind Kompromisse nötig. In jedem Falle sind wir redlich bemüht, wo es nur geht, Gemeinden tatkräftig zu unterstützen. Lesen Sie mehr ...

 

OKR Dr. Hans-Peter Hübner

     
Die Podiumsdiskussion
 
   
OKR Dr. Hübner               Dr. Deneke-Stoll                                        Herr Schuster                      Prof. Schoberth
                     Dr. Hoffmann                                  Prof. Haberer                               Pfrin. Barraud-Volk

(in alphabetischer Reihenfolge)
- Pfarrerin Jacqueline Barraud-Volk (Mitglied der Landessynode)
- Dr. Dorothea Deneke-Stoll (Präsidentin der Landessynode)
- Dr. Martin Hoffmann (Rektor des Predigerseminars Nürnberg)
- OKR Dr. Hans-Peter Hübner (Gemeindereferat im LKA)
- Prof. Wolfgang Schoberth (Erlangen)
- Hans-Jürgen Schuster (Unternehmer, Kirchenvorsteher, Prien)
Moderation: Prof. Johanna Haberer (Erlangen)

Hier können Sie die Diskussion mithören.
(mp3, 02:30:36, 88 MB)
Tipp: Zum Download von mp3- Dateien mit der rechten Maustaste auf das Link klicken und dann auf "Ziel speichern unter". Sie können die Datei auch durch Klicken auf das Link direkt in Ihrem Mediaplayer wiedergeben.
Nochmal: Das liebe Geld

Die Kirchengemeinde Nürnberg-Lichtenhof stellte im November 2008 einen Antrag auf Auskunft über die Höhe des Kirchensteueraufkommens in ihrem Gemeindebereich und erhielt im September 2009 eine Antwort. pdf-Datei, Adobe Reader erforderlich Der Kirchenpfleger der Kirchengemeinde erstellte aufgrund der Auskünfte des Landeskirchenamts eine eigene Rechnung. pdf-Datei, Adobe Reader erforderlich und erhielt wieder eine Antwort. pdf-Datei, Adobe Reader erforderlich Auch die Kirchengemeinde Zusmarshausen stellte weitere Fragen an das Landeskirchenamt. pdf-Datei, Adobe Reader erforderlich

Hier können Sie die Rechnung für Ihre eigene Gemeinde erstellen.pdf-Datei, Adobe Reader erforderlich In dieser Rechnung wird von einem bayernweit durchschnittlichen Kirchensteuereinkommen ausgegangen, obwohl selbstverständlich klar ist, dass es innerhalb Bayerns regional große Unterschiede beim Kirchensteueraufkommen gibt. Einen Durchschnittsbetrag zu nehmen ist Ausdruck der Solidarität der Gemeinden und Regionen in Bayern. Die teilweise erheblichen Differenzbeträge, die sich nach Abzug aller Kosten am Ende ergeben, geben Anlass zu der Frage, ob sich die Wertschätzung der Ortsgemeinde auch finanziell so darstellen lässt, wie das immer wieder behauptet wird. Es besteht weiterer Diskussionsbedarf.

   

"Ich habe ein großes Herz für die Gemeinde vor Ort, weil ich erlebt habe, dass Menschen sich da an ihren Glauben und ihre Kirche binden. Wo sie getauft und konfirmiert sind, wo sie sich haben kirchlich trauen lassen, wo die Eltern beerdigt wurden, da beheimatet sich dann auch der Glaube. Deshalb liegt mir daran, Gemeinden zu stärken. Wir werden den Reformprozess nicht aufhalten können. Wir brauchen Veränderung. Das wissen wir und ich finde, wir sollten auch keine Angst vor Veränderung haben, sondern mutig nach vorne gehen. Die Kirche der Reformation muss sich immer reformieren, hat Luther gesagt. Aber ein Auge darauf zu haben, dass die Gemeinden sich ermutigt fühlen und nicht nur ständig diesen Druck erfahren, das ist mir schon wichtig."
(Margot Käßmann am 29.10.2009 im Deutschlandfunk)

Hintergründe und Links

Presse

 

Blog von "Aufbruch Gemeinde"

  Diskussionssplitter

Pfr. Dieter Schlee über den neuen "innerkirchlichen Finanzausgleich", der den Gemeinden ein Budget zuweist, über das sie freier als früher verfügen dürfen:

"Wir, die Gemeinden, danken recht schön für die große Freiheit, die wir auf einmal bekommen haben, und die großen Einflussmöglichkeiten, den Mangel zu verwalten. Das ist so, wie wenn ein Schiff auf ein Riff läuft und der Kapitän sagt zum ersten Offizier: Komm mal rauf, damit du lernst das Kommando zu übernehmen. Du bist jetzt der Herr über das Schiff. So kommt mir das vor." (Gelächter, Beifall)

Der Ablauf des Tages

  • 10.00 Uhr Geistliches Wort - Begrüßung
  • 10.15 Uhr Referat von Christian Nürnberger: „Kirche Wohin?“
  • 11.15 Uhr Nachfragen im Plenum
  • 11.30 Uhr Pause mit Imbiss
  • 12.00 Uhr Podiumsdiskussion mit Repräsentanten der Synode, des Landeskirchenrates und des Aufbruchs Gemeinde
  • 14.00 Uhr Plenum
  • 14.30 Uhr Reisesegen
   

.... 250 Besucher waren da,

auch Gäste vom Berliner Gemeindebund.

Tipp: Zum Download von PDF- Dateien mit rechter Maustaste auf das Link klicken, dann auf "Ziel speichern unter".
Holen Sie sich zum Lesen den Adobe Reader.
Home     Aktuell     Gemeindebund     Was wir wollen     Blog     Themen
Sprecherkreis/Beirat     Unterstützen Sie uns     Links     Impressum
Aktionstage     2008     2009     2011     2013     2014     2015
Datenschutz